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Pure Lebensfreude

Die ehemalige Kindersoldatin Senait Mehari war gestern in Soest


Pure Lebensfreude. Das ist es, was die hübsche Frau auf der Bühne ausstrahlt. Doch da ist noch etwas, was fast unsichtbar bleibt: „Man muss weinen, um lachen zu können“, sagt Senait Mehari. Weinen musste sie in ihrem Leben genug.

Hunger und Durst, Schläge und Drill. Als Kind ist Senait durch die Hölle gegangen. Mitten im Bürgerkrieg wurde sie vor 31 Jahren in Eritrea geboren. Der Krieg, mit dem sich Eritrea die Unabhängigkeit von Äthiopien erkämpfte, riss ihre Familie auseinander. Zunächst kam das Mädchen ins Kinderheim. Später tauchte der Vater wieder auf, nahm das Kind an sich – und gab Senait und ihre beiden Halbschwestern zur Rebellenarmee, als die Familie in wirtschaftliche Not geriet. Der Bedarf an Soldaten, egal wie jung, war unerschöpflich. Als Neunjährige gelang Senait die Flucht in den Sudan. 1987 konnte sie nach Hamburg ausreisen. Heute ist Senait eine lebensfrohe junge Frau – und eine ziemlich talentierte obendrein.

Sie lebt inzwischen in Berlin und konzentriert sich ganz auf ihre Karriere als Sängerin. Unter dem Titel „Feuerherz“ hat Senait ihre Geschichte auf-geschrieben, hat erzählt, wie sie den Albtraum überwunden hat. „Ich glaube an die Hoffnung und die Kraft, dass alles besser wird“, sagt die 31-Jährige. „Auch wenn man vom Leben und vom Schicksal einige Prüfungen bekommt, vielleicht sogar durch die Schwere umgeworfen wird und sich hilflos fühlt, muss man sich wieder fangen, wieder aufstehen und weiterleben.“

Diese Botschaft hat Senait Mehari gestern den Schülern vom Hubertus-Schwartz-Berufskolleg musikalisch vermittelt. Schulleiter Klaus Schubert war es gelungen, die junge Frau zum Abschluss eines Unterrichtsprojekts gegen den Einsatz von Kindersoldaten an die Schule zu holen. Sie sang begleitet von Martin Heyne an der Akustik-Gitarre. Eine Stimme, die unter die Haut geht. „Ich beziehe alle Gefühle, Beobachtungen und Erfahrungen meines Lebens als Einflüsse für die Songs mit ein“, sagt die Musikerin. Sie achtet aber darauf, dass die Stücke für jeden nachvollziehbar bleiben. So singt sie Lieder über den Konflikt zwischen Mann und Frau, wenn beide zu stolz sind, um nachzugeben, oder Lieder über den Traumtypen, den sie noch nicht gefunden hat.

Wenn es nach Hubertus-Schwartz-Schüler Ahmet gegangen wäre, müsste ihr Traumtyp nicht länger gesichts- und namenlos bleiben. Ahmet wäre gern Senaits Traumtyp, das tat er offen kund. Dafür gab es nach dem Konzert ein Küsschen auf die Wange – wieder ein Ausdruck purer Lebensfreude.



Quelle: Westfalenpost, 31. März 2006